Furchtboa

"Guilty", Blues Brothers, 1980. Text & Musik (c) Randy Newman

„Furchtboa“ 
Deutscher Songtext (c) 2026 Gerald Puchner

I wass eh, es is verheerend, 

So wie i dosteh vur deiner Tür

Owa es geht ma heite ned so guad

Und mi hods zu dir zuwezogn ois wia

Hob a paar Spritzer ghobt beim Ferdl

Und hob a bissl wos graucht mit der Jules

Werd mi eh glei wieder schleichn,

Wenn i restfett in´d Hockn muass

Furchtboa, es is so furchtboa-

Es is furchtbar, wos do wurdn is aus mir

Wie kummts, dass i immer weiter tua,

Wenn i mi gspia, moch i mi wieder zua

Und i wass gaunz genau,

Dass i mir´s gaunze Lebm versau

Wasst eh wie des is mit mir.

Wasst, dass i mi eigentlich goa ned mog

Des werdn meine Pulverln a ned ändern kenna

Doch vielleicht kummt irgendwaunn amoi der Tog

 


Die Lüge – steter Begleiter der Sucht, Schutzschild und zugleich Gefängnis.

Der Süchtige lebt in Abhängigkeit – und er lebt in einem Netz aus Lügen. Diese Lügen richten sich an andere, vor allem aber an einen selbst. Sind Schutzmechanismus, Rechtfertigung und Selbsttäuschung zugleich.

„Ich habe alles im Griff.“ – „Ich kann jederzeit aufhören.“ – „So schlimm ist es nicht.“ Verharmlosung. Eine Version der Wahrheit, in der Konsum normal, kontrollierbar oder sogar verdient erscheint. Ein getürkter Status quo. Konstruiert, weil die Wahrheit zu bedrohlich wäre.

Die Lügen werden konkreter. Termine werden „vergessen“, Geld wird „geliehen“, Symptome werden „Erkältung“ genannt. Bei aufkommendem Gegenwind wird diese Fassade mit Nachdruck verteidigt – rührselig, patzig, manchmal gar aggressiv.

Die Selbstlüge übernimmt. Konsequenzen werden ausgeblendet: gesundheitliche Schäden, zerbrechende Beziehungen, berufliche Probleme, Vereinsamung. 

Die Lüge wird zur Realität. Sie hält Distanz zwischen dem leisen Zweifel, der ahnt, dass etwas falsch läuft und dem äußeren Verhalten. Dieser innere Konflikt kostet Kraft. Um ihn nicht spüren zu müssen, greift der Süchtige erneut zur Droge. Die Lüge und die Sucht verstärken sich gegenseitig.

Wenn die Diskrepanz zwischen Wahrheit und Fassade nicht mehr auszuhalten ist, muss Veränderung beginnen, will man der beginnenden Katastrophe doch noch entfliehen. Ehrlichkeit – vor allem sich selbst gegenüber – ist der erste Schritt aus der Misere. Doch genau dieser Schritt ist der schwerste, weil er bedeutet, aus der schützenden Illusion hervorzutreten. Nackt und verwundbar.

„Furchtboa” ist der wohl ehrlichste und entwaffnendste Text, den ich je geschrieben habe. Er ist autobiografisch. Es bedurfte eines immensen Kraftaufwandes, so ehrlich sein zu können. Und ich habe es bewältigt.

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Fotos (c) 2026 Robert Straub, (c) 2025+2026 Christa Stangl, (c) 2025 Marlies Rauch für PUCHNER.