Hods irgendjemand gsehn

"Anybody seen my baby", The Rolling Stones, 1997. Text & Musik (c) 1997 Mick Jagger, Keith Richards

„Hods irgendjemand gsehn“ 
Deutscher Songtext (c) 2026 Gerald Puchner

Sie woa jo so verliabt in mi, jetzt is´verschwunden irgendwie

Des kaunns jo bittschen nu ned gwesn sein

Sie woa mehr ois wunderschen, wirklich himmlisch, hobts es gsehn?

Kaunn doch ned afoch so verschwundn sein

I lieg woch, es is mitten in da Nocht

Hod sie vielleicht grod den finalen Schlussstrich gmocht?

Hots irgendjemand gsehn mei Mädl? is´irgendwem begegn´t, de letzte Nocht?

Sie hod ned dapockt, mein gaunzn Grind, fiacht, dass i´s wirklich nimma find

I hobs irgendwie aum Weg verlorn

Mei Herz mocht grod an Riesen-Sotz, i schlender übern Riemerplotz

I bild ma ein, i hätts entdeckt

Vermeintlich auf an Citybike, schoaf und ziemlich ladylike

Warum hod se de denn nur versteckt?

Tränen voi Salz, es is viere in da Fruah

Is´wirklich fort, hod sie wirklich von mir gnua?

Hots irgendjemand gsehn mei Mädl? is´irgendwem begegn´t, de letzte Nocht?

Sie hod ned dapockt, mein gaunzn Grind, fiacht, dass i´s wirklich nimma find

I hobs irgendwo aum Weg verlorn

I hob gschaut in da Pfannstubm, beim Grießler drübm

Und beim Knorr, wo´s nirgends woa

Von der Löwen Bar bis zum Hausi

Drunt im Speibgassl – wo is mei Mausi

I verlier de Hoffnung, i geb des auf

Hots irgendjemand gsehn mei Mädl? is´irgendwem begegn´t, de letzte Zeit?

Sie hod ned dapockt, mein gaunzn Grind, fiacht, dass i´s wirklich nimma find

I hobs irgendwaunn aum Weg verlorn


Das Speibgassl: Legende, Wahrzeichen, Begegnungszone

Legendär war das Nachtleben in Türnitz. Mit sechs Lokalen im Ortskern war für jeden was dabei. Da war die über die Bezirksgrenzen hinaus bekannte Löwenbar im Hotel/Gasthof Punz Bertl, der Spatny Horstl, die Pfannstube, der Gasthof Knorr Schacherl. Das Gasthaus Schwarzer Adler und der Bauernwirt. Da konnte man sich schon einmal verirren. Oder es konnte ein Wochenende einfach so an einem vorbeiziehen, schon einmal die Angebetete in Verlust geraten.

Es war die Generation nach mir, die langsam nachrückte und auch erstaunlich viele Musiker hervorbrachte. Diese Jungen Wilden waren es, die das Vorglühen beim Wirten vielleicht nicht erfunden aber zur Perfektion getrieben haben, damals im Gasthaus Fini und Pepi Grießler in Bahnhofsnähe. Aufgrund einer eklatanten Rechenschwäche der Chefin hat man zumeist für ein Drei/vier-Finger-Cola-Rum einen Spottpreis bezahlt. Amoi a bissl mehr, meistens a bissal weniger.

Wenns dann fett gnua woan, zog der skandierende Mob durch ein recht steiles, enges Gassl zwischen dem ehemaligen Adeg und dem Lippmann-Haus in die „City“.

Dieses Gassl wird seit Generationen liebevoll „Speibgassl“ genannt. Oder- für unsere Wiener Gäste auch „Krawallgasse“. Diese Bezeichnung entstand vermutlich wegen des manchmal ertönenden amorösen Wirbels aus einem geöffneten Fenster der Wohnung im 1. Stock. Angeblich sogar manchmal mit größerem Schlussapplaus aus dem Gassl.

Aber dieses Gassl war auch sehr beliebt, wenn es darum ging, das oftmals hoffnungslos überfüllte Pissoir der Löwenbar zu „umschiffen“. So gab es oben regelrechte Wettkämpfe, welcher Urin-Sturzbach den Weg bis zur ansässigen Tischlerei am Fuße des Gassls als erstes bewältigt, während unten bereits die Zombieapokalypse heranwankte und die ersten Grießler- Cola Rum auch wieder das Sternenlicht erblickten. Eine Begegnungszone, bevor dieser Begriff überhaupt en vogue wurde.

Und bereits damals hat sich abgezeichnet, dass hier keine Atomphysiker heranwachsen …

 

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Fotos (c) 2026 Christa Stangl sowie (c) 2025 Marlies Rauch für PUCHNER.